WIR GLAUBEN IHNEN NICHT!

Offener Brief anlässlich 10 Jahre „Missbrauchsskandal“ am Aloisiuskolleg in Bonn

Den vollständigen offenen Brief finden Sie hier:
http://eckiger-tisch-bonn.de/etb_offener-brief_wir-glauben-ihnen-nicht-_10-jahre-missbrauchsskandal/

Berlin 27.01.2020. „WIR GLAUBEN IHNEN NICHT!“ Mit diesen Worten wandte sich heute der ECKIGER TISCH BONN, Verein Geschädigter des Aloisiuskollegs zu Bonn-Bad Godesberg e.V. in einem offenen Brief an den Rektor des Aloisiuskolleg (AKO). Hierin brachten die Betroffenen von sexueller, weiterer körperlicher und seelischer Gewalt durch Mitglieder des Jesuitenordens und deren Mitarbeiter ihre Ansichten zum Stand der Aufarbeitung des anlässlich 10 Jahre „Missbrauchsskandal“ zum Ausdruck:

Die Namen der verantwortlichen Jesuiten-Patres am AKO und im Orden, die seit 2010, seit einer Dekade für eine umfassende Aufarbeitung und einen angemessenen Ausgleich mit den Betroffenen hätten leisten müssen, kenne man. „Dass wir heute stehen, wo wir stehen, haben die diejenigen Jesuiten zu verantworten, die seit 2010 die Leitung des Ordens und des Kollegs innehatten. Zeit, Mittel und Möglichkeiten hatten diese (und im Übrigen auch Jesuiten-Pater Mertes) genug. Wir glauben Ihnen nicht (mehr), dass Sie wirklich aufarbeiten und ausgleichen können oder/und wollen. Das ist der Skandal im Jahr 2020!“, so die Betroffenen.

Das Aloisiuskolleg bzw. der Jesuitenorden als Schulträger, erhalte jedes Jahr Millionen öffentliche Steuergelder zur Aufrechterhaltung der Einrichtung (allein Privatschulfinanzierung NRW: 2015-2018 über 20 Mio. EUR) mit nach wie vor fragwürdigen Machtstrukturen und ausschließlich von diesen definierten Aufarbeitungsformen. Da es ohne diese Mittel die Schule nicht gäbe, sind die Betroffenen der Meinung, dass der Orden nicht nur den Opfern, sondern auch der Gesellschaft gegenüber moralisch dazu verpflichtet seien, Rechenschaft über die Gründe des jahrzehntelangen Leitungsversagens Ihrer Institution und Organisation abzulegen und daraus öffentlich nachvollziehbare Konsequenzen zu ziehen. Dies sei bis heute in den Strukturen des Ordens nicht geschehen. Die letzten 10 Jahre hätten gezeigt, dass die Jesuiten und das Aloisiuskolleg entweder nicht Willens oder nicht dazu in der Lage sind, eine umfassende Aufarbeitung zu leisten. In beiden Fällen müsse Ansicht des ETB seitens Dritter/des Staates (nach-)geholfen werden. AKO und Orden aber ließen die Betroffenen, für die der Missbrauch oft mit lebenslangen Folgen verbunden sei, auch nach 10 Jahren bei allen wichtigen Fragen im Regen stehen. „Das zeigt uns, dass die Jesuiten eher Teil des Problems und nicht der Lösung sind. Sie brauchen offensichtlich Druck und Hilfe!“ so im offenen Brief geschrieben, dem eine Liste mit 13 Punkten anhängt, bei denen die Betroffenen Konsequenzen und Verantwortungsübername durch die Jesuiten fordern.

Bis heute stelle der Orden den Schutz der Anonymität der kriminellen Mitbrüder über die Wahrheitsfindung für deren Opfer: Bis heute seien die Klarnamen der zumeist lange verstorbenen Täter aus den Dokumentationen des Ordens nicht veröffentlicht. Dass die letzten drei Ordens-Provinziale 10 Jahre lang zur Rolle des ehemals verantwortlichem AKO-Rektor und dem Zusammenhang zu den Erkenntnissen der eigens bestellten Wissenschaftler als Zeuge und Mitwisser eines Sexualtäters in einer öffentlichen Stellungnahme namens des Orden schweigen (oder ihm sogar das Vertrauen aussprachen), zeige eigentlich schon alles, was man 2020 bezüglich zur Aufarbeitung wissen müsse.

Alle nennenswerten Initiativen zur Aufarbeitung des Missbrauchsskandals seien bislang von Betroffenen und/oder dem Druck der Öffentlichkeit ausgegangen. Der offene Brief sei eine Reaktion auf ein Schreiben der AKO-Leitung vom Dezember 2019, das die Betroffenen als „Feigenblatt“ abtun, das das Scheitern der Jesuiten und des Aloisiuskollegs bei der Aufarbeitung des Missbrauchs pünktlich zur nun zu erwartenden Medienöffentlichkeit nach 10 Jahren verdecken soll.




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