Stellungnahme zur AKO-Erklärung

Stellungnahme des ECKIGEN TISCH BONN – Verein Geschädigter des Aloisiuskollegs e.V. zur

Erklärung des Aloisiuskollegs zum Stand der Aufarbeitung sexualisierter Gewalt vom 13.01.2016

Der ECKIGE TISCH BONN begrüßt die obige Erklärung des Aloisiuskollegs (AKO) als absolutes Novum im Umgang mit sexuellen Missbrauch an katholischen Einrichtungen in Deutschland. Fast genau sechs Jahre nach Bekanntwerden von 40 Jahren Kindesmissbrauch am AKO wurde (endlich) ein Weg eingeschlagen, mit dem weitere dringend nötige Aufklärung und Aufarbeitung möglich werden. Hierfür wurden das erste Mal überhaupt Missbrauchs-Betroffene aktiv in den Aufarbeitungsprozess einbezogen.
Wir nehmen den ehrlichen Wunsch der sog. Kollegsgemeinschaft wahr, sich der Geschichte zu stellen, offen darüber zu sprechen und Verantwortung zu übernehmen zu wollen. Für die Empathie von Eltern, Lehrerinnen und Lehrern, Erzieherinnen und Erziehern, etc. und besonders für die der jetzigen Ako-Schülerinnen und Schülern, mit den Betroffenen von sexueller Gewalt, bedanken wir uns sehr. Wir wünschen uns, dass das Wissen um die Taten der Täter und das Versagen und Vertuschen der Verantwortlichen, ein so fester Bestandteil der Kollegs-Identität werden, dass diese spezielle Geschichte sich hier und andernorts nicht wiederholt.
Wir glauben, am Ako haben einige im gemeinsamen Ringen um diese Erklärung erkannt, dass nicht einseitig Katholische Kirche/Orden/Kolleg sinnvollerweise festlegen können, was wirkliche Aufarbeitung der Missbräuche bedeutet; das nicht im Alleingang von oben bestimmt werden kann, wie die Qualität von Aufklärung beschaffen sein muss, die dann den Betroffenen vorgesetzt wird. Nur was den Betroffenen hilft, nützt auch der Institution. Diesen Nutzen zu ermessen liegt einzig bei den Betroffenen. Hoffentlich macht diese Erkenntnis über Bad Godesberg hinaus Schule.
Wir wünschen uns, dass die Inhalte dieser Erklärung keine Lippenbekenntnisse in für katholische Internate schwierigen Zeiten, bleiben. Für uns ist das Maß des kritischen Dialoges und der Einbindung von Betroffenen (-biografien) in den Schulalltag, Seismograph und bestes Mittel für Prävention. Dass man sich bei diesem Thema selbst Exzellenz und Expertise attestiert, werten wir kritisch, als das Erbe eines potentiell gefährlichen Elitebewusstseins, welches historisch an vielen deutschen Missbrauchsschulen und -internaten immanent war.
Wir fragen uns ganz aktuell, was es diesbezüglich bedeuten mag, dass die explizit erwähnte Ako-Kinderschutzbeauftragte an keinem der sechs Dialogtreffen zur Vorbereitung der Erklärung teilgenommen hat?
Wir sehen in dieser Erklärung auch ein deutliches Signal der Ako-Kollegsgemeinschaft an Jesuiten und ihre Leitung, die u. E. „ihren“ Missbrauchsgeschädigten immer noch als autoritärer Kontrahent gegenübertritt. Vielleicht ist hierin das finale Fehlen einer eindeutigen Adresse, an den ehemaligen Rektor Schneider SJ zur persönlichen Verantwortungsübernahme, von Seiten des Ako begründet, wie sie sich noch in Rohfassungen der Erklärung fand. Der ECKIGE TISCH BONN vermisst diese. Ebenso konnte man sich dort leider nicht zur Aussage durchringen, dass das Aloisiuskolleg Menschen (auch) geschadet hat. Die Erklärung ist u. E. auch für Altschüler und -Eltern ein hilfreicher Wegweiser, um ggf. die eigene Position zu den Missbräuchen der Schulhistorie und die eigene Sicht auf die „Opfer“ (in den eigenen Reihen) ggf. neu zu justieren.
Wir werten es positiv, dass die Öffentlichkeit zukünftig den Umgang des Aloisiuskollegs mit seiner Geschichte und den vom Missbrauch betroffenen Menschen anhand dieser Erklärung messen kann: Das gilt aktuell für die Positionierung des Kollegs in der Ako-Pro e.V. Nachfolge und gegenüber Scouting Bonn e.V.
So sehr wir es auch begrüßen, dass Verantwortlichkeiten, Fehler und Scham benannt werden, so deutlich weisen wir darauf hin, dass für uns zu dieser Verantwortung auch eine angemessene Entschädigung für das Versagen der Institutionen Ako und Jesuitenorden bei der Bewahrung der körperlichen und seelischen Unversehrtheit ihrer Schutzbefohlenen und dadurch oft lebenslang erlittenes Leid der betroffenen Ako-Schüler und deren Familien bedeutet.
Wir bedanken uns bei den Mitarbeiterinnen der Bonner Beratungsstelle gegen sexualisierte Gewalt für die Moderation der Gespräche mit den Teilnehmern vom Aloisiuskolleg.
Berlin, 13.01.2016
Der Vorstand
ECKIGER TISCH BONN – Verein Geschädigter des Aloisiuskollegs e.V.

Stellungnahme des ECKIGEN TISCH BONN zur Erklärung des Aloisiuskollegs zum Stand der Aufarbeitung sexualisierter Gewalt