Schreiben auf Antwort auf Offenen Brief (08.11.2017)

An
Deutsche Provinz der Jesuiten K.d.ö.R.
P. Provinzial Johannes Siebner SJ
Provinzial
Kaulbachstraße 29a
D-80539 München

Marek Spitczok von Brisinski

Externer Beauftragter zu Fragen der
sexualisierten Gewalt beim Jesuitenorden
Postfach 304152

D-10756 Berlin

– jeweils per E-Mail vorab –

Berlin, den 26.01.2018

 

Ihr Schreiben vom 23.11.2017 als Antwort auf unseren Offenen Brief (08.11.2017) mit Fragen zur (gesellschaftlichen) Verantwortung der Jesuiten…

Sehr geehrter Herr Pater Provinzial Siebner SJ,

in Ihrem o.a. Schreiben
– nehmen Sie die Fragen unseres offenen Briefes nicht auf,
– bemühen Sie sich nicht um deren Bearbeitung
– und geben keine Antworten auf unsere Fragen.

Da wir Sie, als derzeitiges Oberhaupt des Jesuitenordens in Deutschland, zur Verantwortung und den Erkenntnissen Ihrer Organisation fragen, stellen wir fest, dass diese nicht willens oder in der Lage ist, uns, nach – jetzt acht(!) Jahren – „Missbrauchsskandal“ und den Berichten und Untersuchungen

  • „Raue“,
  • „Fischer“,
  • „Zinsmeister“,
  • „Bintig“,
  • „Unheilige Macht“,
  • „Unheiliger Berg“,
  • „IPP“,

die alle auch das Versagen der jeweiligen Leitungen Ihrer Institution aufzeigen,
Ihre Schlüsse und Konsequenzen für das System Ihres Ordens mitzuteilen.
Entweder unterdrückt der Orden das Bekanntwerden interner Aufarbeitung oder es gibt keine. Ohne aber eine extern begleitete, wahrnehmbare Auseinandersetzung und ohne Konsequenzen innerhalb des Systems, welches Missbrauchstäter durch Leitungsversagen hervorbrachte (und ggf. bringt?), erhält wirkliche Prävention keinen Zugang in die Klostermauern Ihrer Institution.
Natürlich ist einerseits der Jesuitenorden lediglich in moralischen Weise, dazu verpflichtet, sich überhaupt mit unseren Anliegen inhaltlich oder nachhaltig zu beschäftigen. Andererseits erwarten wir von der Leitung des Ordens mit dieser Missbrauchshistorie, hinter der immer betroffene und oft geschädigte Menschen stehen, heute zumindest Respekt für unsere Anliegen, der sich endlich auch in Konsequenzen und konkreten Maßnahmen (z.B. in der Personalpolitik) ausdrücken muss.

Damit meinen wir keine (weiteren) vordergründigen Aktivitäten zum Thema, die u.E. nur als Feigenblatt und zum einseitigen Benefit für die Jugendarbeit Ihres Ordens (Betrieb der Schulen) angelegt sind oder der persönlichen Profilierung einzelner Jesuiten innerhalb und außerhalb des Ordens dien(t)en. Das zugleich, noch im Jahr 2017 durch u.E. gescheitere Prävention wegen mangelnder Aufarbeitung des Systems, SchülerInnen des Aloisiuskollegs durch mutmaßliche Übergriffe ggf. geschadet wurde, wäre ein trauriger Beleg für das Aussitzen kritisch-analytischer Selbstbeschäftigung der Institution, erneut auf Kosten schwacher Dritter.
Nach acht Jahren und sieben Berichten gibt es dafür keine Entschuldigung. Der Worte sind genug gewechselt…
Wir teilen dem Jesuitenorden mit:
Die Mitgliederversammlung des ECKIGER TISCH BONN Verein Geschädigter des Aloisiuskollegs zu Bonn-Bad Godesberg e.V. hat im Dezember 2017 auf Antrag des Vorstands entschieden, dass unser Verein den Dialog mit Ihnen als gescheitert ansieht und zum Schluss kommt, dass weitere Gespräche mit Ihnen so keinen Sinn haben.

Mit freundlichen Grüßen

Heiko Schnitzler

1.Vorsitzender

Jörg Heinrich
Revisor

ETB_Schreiben_auf Antwort des Provinzials_Dialog_gescheitert