Betroffener meldet Vergewaltigungen durch mehrere Jesuitenpatres am Aloisiuskolleg

Berlin, 23.06.2017. Beim ECKIGEN TISCH BONN, dem Verein der Geschädigten des Aloisiuskollegs e.V. hat sich ein Betroffener (geboren 1970) gemeldet, der angibt während seiner Schulzeit im Aloisiuskolleg 1980-83 als Kind mehrfach Opfer schweren sexuellen Missbrauchs insb. durch zwei Jesuitenpatres (und gefährlicher Körperverletzung durch einen dritten Pater) geworden zu sein.

Bei den namentlich benannten Missbrauchstätern handelt es sich in der Darstellung zum einen um den ehemaligen Internats- und Schulleiter der wohl in Tatgemeinschaft mit einem anderen Jesuitenpater das Kind nackt fotografierte, bis zur Ohnmacht würgte und inklusive Penetration vergewaltigte habe. Der andere Jesuitenpater zum anderen, der Lehrer am Ako war, sei dabei zugegen gewesen und habe das Kind danach ebenso vergewaltigt.

Der Betroffene leidet nach eigener Aussage noch heute körperlich und seelisch an den Folgen dieser Taten und sei bislang ohne jede Hilfe, obwohl der Missbrauch und die Folgen gutachterlich aktenkundig sind.

Der ECKIGE TISCH BONN stellt fest, dass diese Meldung die bislang öffentlich bekannte Kriminalität von Jesuiten am AKO weit in den Schatten stellen würde. Und zwar in folgender Hinsicht:

1.) Die Schwere von Vergewaltigungen übersteigt das bislang öffentlich Geschilderte zum ersten Täter, dem bislang eine Vielzahl anderer Übergriffe vorgeworfen werden.
2.) Mindestens ein weiterer Täter hat nach der Darstellung am AKO Kinder vergewaltigt. Diese Person und ihre Taten wurden bislang nicht untersucht.
3.) Da die Täter nach Aussage des Betroffenen gemeinsam gehandelt haben, kann man u. E. nicht mehr von Einzeltätern am Ako ausgehen, die ihre „Machtinseln“ ausgenutzt haben. Vielmehr scheint es organisierte Absprachen bei den jesuitischen Kindesmissbräuchen am AKO gegeben zu haben. Diese Systeme (und mögliche Kontakte zu anderen Verbrecherkreisen) wurden bislang nicht untersucht.
4.) Das sich immer noch Menschen z.T. hilfesuchend melden, denen das AKO offenbar derart geschadet hat, zeigt u.E., dass erst die Spitze des unheiligen Eisberges öffentlich bekannt ist.

Der ECKIGEN TISCH BONN unterstreicht an dieser Stelle seine Forderung nach einer (wirklich) unabhängigen Untersuchung der Missbrauchssysteme am Aloisiuskolleg und deren Verzahnungen, sowie eine angemessene Hilfe für Betroffene und deren Organisation und ruft weitere Betroffene und mögliche Zeugen auf, sich zu melden.

Nachtrag:
Hinsichtlich  des zweitgenannten Pater,  schreibt Prof. Dr. jur. Julia Zinsmeister 2011  in ihrem „Abschlussbericht zur Untersuchung im Auftrag der Deutschen Provinz der Jesuiten“, gäbe es Berichte über sexuelle Übergriffe gegenüber Mädchen aus seiner Jugendgruppe vor seiner Zeit am AKO. Diese wurden von Zinsmeister  und Team nicht näher untersucht, da sich der Auftrag (der Jesuiten) lediglich auf Übergriffe am Aloisiuskolleg bezog.