Betroffene: „Katholische Missbräuche sind das größte Verbrechen in der Bundesrepublik“

Pressemitteilung zur Studie „Sexueller Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz“ (MHG-Studie)

„Das Ausmaß der Missbräuche in der katholischen Kirche muss als das größte Verbrechen in der Nachkriegsgeschichte der Bundesrepublik Deutschland bezeichnet werden. Um nichts Geringeres handelt es sich hier. Dass Ordensschulen und -heime in der Studie nicht vorkommen und deren Betroffenenzahlen nicht hinzuaddiert werden, zeigt ganz aktuell das System der katholischen Kirche, welches in der Vergangenheit Täter intern versetzte und Verantwortliche diese decken ließ. Die Höhe der Opferzahlen und die kriminelle Energie, mit der Verantwortliche Missbräuche vertuscht und deren Geheimhaltung über das Kindeswohl gestellt haben, findet sich in keinen anderen Institutionen, als denen im System der katholischen Kirche“, so der ECKIGE TISCH BONN (ETB), Verein Geschädigter des Aloisiuskollegs (AKO).

„Jetzt weinen dieselben Bischöfe Krokodilstränen, die die Archive zur Aufklärung nicht ganz geöffnet haben. Dass sie nun die Deutungshoheit verloren haben, ist ein Glücksfall. Jetzt muss der Rechtsstaat agieren!“, so der ETB.
Etwas anderes als ein robustes Durchgreifen unseres Staates, Rücktritte der Verantwortlichen und Sanktionen gegen Vertuscher dürfe nicht in Frage kommen. Wie bei anderen Kriminalfällen üblich, müssten die Akten sichergestellt und durch unabhängige Experten ausgewertet werden, so die Forderungen der Betroffenen.

Das Aloisiuskolleg und der Jesuitenorden seien bis in die heutige Zeit Beispiele für Rhetorik, anstelle von wirklicher Aufarbeitung und Konsequenzen für das System, welches Missbrauch begünstigt hat. Man erklärt sich selbst zum Aufklärer und blockiert Fragen, die sich mit dem System des Ordens und den Ursachen für Missbrauch beschäftigen. War nicht mal ein Erinnerungsort am AKO im Gespräch? Stattdessen wird der Ort hunderter Missbräuche für Partys (https://www.eventlocation-stella-rheni.de/) vermietet. Eine „besondere“ Form der Aufarbeitung? Man verkauft einerseits Wohlfühl-Katholizismus an die Kundschaft und ist andererseits bis heute nicht bereit, diejenigen Jesuiten zu sanktionieren, die Kinder wissentlich in den Händen der Täter gelassen haben. Vertuscher sind bis heute in Leitungspositionen, in die sie befördert wurden. Verantwortliche haben stets die Karriereleiter fortgesetzt. Was bedeutet das für die Prävention in diesem System?

Acht Jahre nach dem Bekanntwerden der Missbräuche empfinden wir Betroffenen Solidaritätsbekundungen der Funktionäre des Systems (vgl. „Wir stehen an der Seite der Betroffenen“) als übergriffig. Allein konkrete Taten zur Offenelegung und Sanktionierung Verantwortlicher würden zählen. Da sie fehlen, ist jegliche Glaubhaftigkeit, spätestens seit 2010 verspielt worden.

Betroffene wünschen sich:
1. Lückenlose Dokumentation durch unabhängige externe Kräfte
2. Ehrliche unabhängig supervisierte  Aufarbeitung mit Konsequenzen (aus 1.),
3. Extern erarbeitete und überwachte Prävention und Risikoanalysen (resultierend aus 1. & 2.)
4 Angemessene d.h. wertschätzende Entschädigung in der für Ausgleich in unseren Gesellschaft vorgesehen Währung. (Gebete, Buße, Fasten etc. sind das nicht)

Die Geschädigten des Aloisiuskollegs und der Jesuiten finden sich in dieser Studie nicht wieder, da sowohl die päpstlichen Orden als auch deren weltliche Mitarbeiter nicht untersucht wurden. Der Jesuitenorden hat bislang auch nur einzelne Teile der Geschichte untersuchen lassen. Am AKO gehen wir von mindestens 400 Betroffenen aus, die – wie viele andere Bertoffene aus anderen kirchlichen Einrichtungen auch – bei der Schätzung der bisher eingeräumten 3677 Fälle in der MHG-Studie fehlen.

Kontakt: info@eckiger-tisch-bonn.de
ECKIGER TISCH BONN Verein Geschädigter des Aloisiuskollegs zu Bonn-Bad Godesberg e.V.
c/o Hauptstädtische GmbH | Novalisstr. 8a | D-10115 Berlin | (Tel: Bitte Email schreiben, wir rufen zurück)