Ein Stein des Anstoßes ist weg: Aloisiuskolleg entfernt die Statue eines Missbrauchstäters

Der ECKIGE TISCH BONN – Verein Geschädigter des Aloisiuskollegs e.V. begrüßt die Entfernung einer Statue eines Missbrauchstäters im Aloisiuskolleg (AKO).

Für die Betroffenen sexuellen Missbrauchs an dieser Schule ist es dennoch unverständlich,

  • dass diese Entscheidung erst sechs Jahre nach öffentlichen Bekanntenwerden des Missbrauchsskandals getroffen wurde.
  • dass man sich bislang mit dem augenscheinlichen Abbild eines Serientäters als „Heiligenbild“ in der Kollegsmitte, vor der Kollegskirche nicht ausreichend unwohl dafür gefühlt hat.

Dass der „Stein des Anstoßes“ (Fotos s.u.) nun endlich entfernt wurde, ist ein erstes sichtbares Zeichen, dass das Aloisiuskolleg bereit ist, die Anliegen der Betroffenen von sexuellem Missbrauch am Ako anzunehmen. Wir sehen dies als Bestätigung des von uns eingeschlagenen Weges der inhaltlichen Überzeugungsarbeit und des Dialogs mit Eltern, Schülern, Lehrern, Erziehern und der Kollegsleitung. (Hier ist das Kolleg dem Jesuitenorden voraus)

Wir sind entsetzt, aus einem diesbezüglichen Schreiben des AKO-Rektors an die „Kollegsgemeinschaft“ zu erfahren, dass es am AKO anscheinend immer noch Menschen gibt, „bei denen die Erinnerung an [den verstorbenen Täter] Pater Stüper positiv besetzt ist“, schließlich wäre Stüper laut  AKO-Untersuchungsberichten (auch nach den Gesetzen seiner Zeit) ein Straftäter gewesen.*

Die dort gestellte Frage nach Stüpers Verdiensten, beantworten wir mit dem Hinweis auf die vielen Biografien und Lebensentwürfe, die dieser Jesuit zugunsten seiner Befriedigung zerstört hat. Noch heute leiden Menschen unter Stüpers Taten.

Es ist wohl noch viel Dialog nötig.

Der Vorstand
ECKIGER TISCH BONN – Verein Geschädigter des Aloisiuskollegs e.V.
Stüperstatue_Akoheft 1987_88

Aus dem AKO- Jahrbuch 1988

 

''Hobbyfotograf'' Stüper

P. Ludger Stüper SJ, „Hobbyfotograf“

Missbrauchsbetroffene des Aloisiuskollegs fordern deutsche Medien zu mehr Mut und „Dranbleiben“ auf!

Pressemitteilung:
Nach Oscar für Spotlight:
Missbrauchsbetroffene des Aloisiuskollegs fordern deutsche Medien zu mehr Mut und „Dranbleiben“ auf!

Berlin/Bonn, 29.02.2016. Anlässlich der Verleihung des Academy Awards „bester Film“ an SPOTLIGHT fordert der ECKIGE TISCH BONN – Verein Geschädigter des Aloisiuskollegs e.V. die deutschen Medien zu Mut bei der Berichterstattung und Recherche über die historischen (und aktuellen?) Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche auf.

Man habe, so die Betroffenen, in den letzten Jahren nach dem Bekanntwerden der Skandale zunehmend den Eindruck gewonnen, die Medienlandschaft habe das Thema und dessen historische Aufarbeitung in der Breite aus den Augen verloren. Hinzu käme, dass sich die Kirchen mit dem medial bislang nicht öffentlich überprüften Präventionsversprechen auch als Aufklärer in eigener Sache in Stellung gebracht hätten. Dass letzteres nicht funktioniere zeigte leuchtturmhaft die jüngste Berichterstattung rund um die Personalien im Bistum Hildesheim.

Der Jesuitenorden z.B. habe noch keine unabhängige Untersuchung der Missbrauchssystematiken und des Versagens im gesamten (deutschen) Orden vorgelegt. Omnipräsente Protagonisten fänden in den Medien statt, die Komplizen der Täter hätten sich im Orden eingerichtet und würden mittelbar und unmittelbar gedeckt – bis heute.

So wie am Aloisiuskolleg gäbe es überall vor Ort Betroffene, die „oscarreife“ Skandale und Ungeheuerlichkeiten vor, während und vor allem nach den eigentlichen Missbrauchstaten zu berichten wüssten und die noch nicht öffentlich erzählt wurden. Das sei aber wichtig, damit der systemische Aspekt und Hintergründe von Missbrauch in der Gesellschaft diskutiert werden können. Die Meinungshoheit z.B. zum Ausmaß der Aufarbeitung und Entschädigung, dürfe nicht einseitig den Kirchen überlassen werden. Das passiere aber, wenn man nur über dem Skandal (Missbrauchstaten) berichte und nicht am Thema dranbleibe.

Bei der Beschäftigung mit der 40 jährigen Missbrauchsgeschichte des Bonner Aloisiuskollegs habe man nur wenige standhafte Journalistinnen und Journalisten kennengelernt, die das Thema auch lokal und entgegen vieler Widerstände bis heute beleuchten. Das wünschen sich die Missbrauchsbetroffenen von der deutschen Presse, der sie vertrauen: Bringen Sie Licht in die deutsche Missbrauchsgeschichte. Fragen Sie die Betroffenen vor Ort, die kennen die dunklen Stellen.

 

Stellungnahme zur AKO-Erklärung

Stellungnahme des ECKIGEN TISCH BONN – Verein Geschädigter des Aloisiuskollegs e.V. zur

Erklärung des Aloisiuskollegs zum Stand der Aufarbeitung sexualisierter Gewalt vom 13.01.2016

Der ECKIGE TISCH BONN begrüßt die obige Erklärung des Aloisiuskollegs (AKO) als absolutes Novum im Umgang mit sexuellen Missbrauch an katholischen Einrichtungen in Deutschland. Fast genau sechs Jahre nach Bekanntwerden von 40 Jahren Kindesmissbrauch am AKO wurde (endlich) ein Weg eingeschlagen, mit dem weitere dringend nötige Aufklärung und Aufarbeitung möglich werden. Hierfür wurden das erste Mal überhaupt Missbrauchs-Betroffene aktiv in den Aufarbeitungsprozess einbezogen.
Wir nehmen den ehrlichen Wunsch der sog. Kollegsgemeinschaft wahr, sich der Geschichte zu stellen, offen darüber zu sprechen und Verantwortung zu übernehmen zu wollen. Für die Empathie von Eltern, Lehrerinnen und Lehrern, Erzieherinnen und Erziehern, etc. und besonders für die der jetzigen Ako-Schülerinnen und Schülern, mit den Betroffenen von sexueller Gewalt, bedanken wir uns sehr. Wir wünschen uns, dass das Wissen um die Taten der Täter und das Versagen und Vertuschen der Verantwortlichen, ein so fester Bestandteil der Kollegs-Identität werden, dass diese spezielle Geschichte sich hier und andernorts nicht wiederholt.
Wir glauben, am Ako haben einige im gemeinsamen Ringen um diese Erklärung erkannt, dass nicht einseitig Katholische Kirche/Orden/Kolleg sinnvollerweise festlegen können, was wirkliche Aufarbeitung der Missbräuche bedeutet; das nicht im Alleingang von oben bestimmt werden kann, wie die Qualität von Aufklärung beschaffen sein muss, die dann den Betroffenen vorgesetzt wird. Nur was den Betroffenen hilft, nützt auch der Institution. Diesen Nutzen zu ermessen liegt einzig bei den Betroffenen. Hoffentlich macht diese Erkenntnis über Bad Godesberg hinaus Schule.
Wir wünschen uns, dass die Inhalte dieser Erklärung keine Lippenbekenntnisse in für katholische Internate schwierigen Zeiten, bleiben. Für uns ist das Maß des kritischen Dialoges und der Einbindung von Betroffenen (-biografien) in den Schulalltag, Seismograph und bestes Mittel für Prävention. Dass man sich bei diesem Thema selbst Exzellenz und Expertise attestiert, werten wir kritisch, als das Erbe eines potentiell gefährlichen Elitebewusstseins, welches historisch an vielen deutschen Missbrauchsschulen und -internaten immanent war.
Wir fragen uns ganz aktuell, was es diesbezüglich bedeuten mag, dass die explizit erwähnte Ako-Kinderschutzbeauftragte an keinem der sechs Dialogtreffen zur Vorbereitung der Erklärung teilgenommen hat?
Wir sehen in dieser Erklärung auch ein deutliches Signal der Ako-Kollegsgemeinschaft an Jesuiten und ihre Leitung, die u. E. „ihren“ Missbrauchsgeschädigten immer noch als autoritärer Kontrahent gegenübertritt. Vielleicht ist hierin das finale Fehlen einer eindeutigen Adresse, an den ehemaligen Rektor Schneider SJ zur persönlichen Verantwortungsübernahme, von Seiten des Ako begründet, wie sie sich noch in Rohfassungen der Erklärung fand. Der ECKIGE TISCH BONN vermisst diese. Ebenso konnte man sich dort leider nicht zur Aussage durchringen, dass das Aloisiuskolleg Menschen (auch) geschadet hat. Die Erklärung ist u. E. auch für Altschüler und -Eltern ein hilfreicher Wegweiser, um ggf. die eigene Position zu den Missbräuchen der Schulhistorie und die eigene Sicht auf die „Opfer“ (in den eigenen Reihen) ggf. neu zu justieren.
Wir werten es positiv, dass die Öffentlichkeit zukünftig den Umgang des Aloisiuskollegs mit seiner Geschichte und den vom Missbrauch betroffenen Menschen anhand dieser Erklärung messen kann: Das gilt aktuell für die Positionierung des Kollegs in der Ako-Pro e.V. Nachfolge und gegenüber Scouting Bonn e.V.
So sehr wir es auch begrüßen, dass Verantwortlichkeiten, Fehler und Scham benannt werden, so deutlich weisen wir darauf hin, dass für uns zu dieser Verantwortung auch eine angemessene Entschädigung für das Versagen der Institutionen Ako und Jesuitenorden bei der Bewahrung der körperlichen und seelischen Unversehrtheit ihrer Schutzbefohlenen und dadurch oft lebenslang erlittenes Leid der betroffenen Ako-Schüler und deren Familien bedeutet.
Wir bedanken uns bei den Mitarbeiterinnen der Bonner Beratungsstelle gegen sexualisierte Gewalt für die Moderation der Gespräche mit den Teilnehmern vom Aloisiuskolleg.
Berlin, 13.01.2016
Der Vorstand
ECKIGER TISCH BONN – Verein Geschädigter des Aloisiuskollegs e.V.

Stellungnahme des ECKIGEN TISCH BONN zur Erklärung des Aloisiuskollegs zum Stand der Aufarbeitung sexualisierter Gewalt