Zur Erklärung UBSKM/DBK

Der ECKIGER TISCH BONN, Verein Geschädigter des Aloisiuskollegs zu Bonn- Bad Godesberg e.V. schließ sich der Meinung des Vereins Missbrauchsopfer Collegium Josephinum Bonn und Redemptoristen e.V an.

Quelle: https://www.missbrauchsopfer-josephinum-redemptoristen.de/aktuelles-ab-01-05-2020/

03.05.2020  Alle Bischöfe stimmen Vereinbarung zur Aufarbeitung von Missbrauch zu. Vorreiterrolle für die Kirche?

Für den Kampf gegen den Missbrauch erscheint die Vereinbarung wie ein Meilenstein: Jetzt haben alle katholischen Bischöfe der Vereinbarung zur Aufarbeitung von Missbrauch zugestimmt. Aber nimmt die Kirche damit eine Vorreiterrolle ein?

Bereits am 24.04. haben wir über die Vereinbarung zwischen dem Beauftragten der Bischöfe für Missbrauch Ackermann und Herrn Rörig als Beauftragtem der Bundesregierung berichtet. In der Presse erfährt diese Vereinbarung ein durchweg positives bis euphorisches Echo:

https://www.domradio.de/themen/sexueller-missbrauch/2020-04-28/vorreiterrolle-durch-unabhaengige-kommissionen-bischoefe-stimmen-vereinbarung-zur-aufarbeitung-von

Wir als Opfervertreter sehen diese Vereinbarung jedoch so kritisch wie keine vorher:

In dieser Mitteilung steht zwar viel drin, aber das meiste sind Allgemeinplätze und Selbstverständlichkeiten. Wir sind mehr als skeptisch hinsichtlich diesen Rörig/DBK Erklärung. Wir lesen viel „könnte“ und „sollte“ 

Konkretes für uns als Opfer von kirchlichen Tätern können wir nur mit viel gutem Willen an einigen Stellen erkennen. Und auch die haben es in sich.

Fangen wir mit dem Positiven an: 

Selbstredend ist die Vereinbarung mehr als keine Vereinbarung und mehr als bisher vorhanden war. Die Kirche begibt sich zumindest dem äußeren Anschein nach in die Kontrolle der Gesellschaft (hier vertreten durch UBSKM). Die Kirche bekommt durch diese Vereinbarung – bezogen auf den Prozess der Aufarbeitung – nun auch amtlich abgesegnet ein gewaltiges Mitspracherecht eingeräumt, kann aber den Prozess wohl nicht mehr in allen Facetten gesichert dominieren. Das ist begrüßenswert. Unter der Prämisse, dass mehr nicht möglich war und die Kirche  jederzeit hätte vollständig zumachen können, ein leichter Fortschritt. 

Aber genau in diesem Punkt muss unsere Kritik beginnen: Da gibt es also eine bedeutende gesellschaftliche Institution, staatlich in vielfältiger Weise unterstützt, die sich über viele viele Jahre unglaublicher Verbrechen schuldig gemacht hat, indem sie Sexualstraftäter in ihren Reihen nicht zur Rechenschaft gezogen hat, ja sie sogar gedeckt und unterstützt hat. Eine Institution, die solchen Tätern vielerorts den Weg bereitet hat durch Schaffung bester Gelegenheitsstrukturen, durch Schutz der Täter und durch das Verschweigen der Taten bis hin zu Einschüchterungsversuchen den Opfern gegenüber. Wer anderes als als die Kirche könnte sich solcher Verbrechen schuldig gemacht haben, ohne dass es eine staatlich angeordnete Untersuchung gegeben hätte? Und die Politik lässt jetzt, nach 10 Jahren Missbrauchsskandal, die Handlungskompetenz weiter bei der Institution, die diese Verbrechen ganz offensichtlich nicht aufdecken wollte und bejubelt, dass die Kirche sich nicht gänzlich der Aufklärung apodiktisch verweigert! Warum gibt es nach 10 Jahren Missbrauchsskandal in Deutschland keine vom Bundestag beauftragte Wahrheitskommission mit weitreichender Kompetenz? Ist dieser Staat zur Bananenrepublik verkommen, die es erlaubt, dass die Verantwortlichen ihre Verbrechen wesentlich selbst aufklären? 

Wie kann es sein, dass die Institutionen der Kirche, die wahrscheinlich die Mehrzahl der Täter stellen, nämlich die Orden gänzlich unter dem Radar der Politik, der Presse und der gesamten Öffentlichkeit fliegen, nicht einmal in diesem Papier erwähnt werden?

Das Papier leistet insofern weiterer gezielter Täuschung Vorschub: das Papier spricht von der Aufarbeitungsbereitschaft der Kirche, tut so, als spreche es für die gesamte deutsche katholische Kirche. Es ist dem Papier nicht mal eine Fußnote wert, zu erwähnen, dass die Orden hier gar nicht beteiligt sind. Der staunende Bürger könnte soll wohl glauben, die Kirche als Ganze wolle aufarbeiten, was aber mitnichten der Fall ist. Die Kirche tut so, als gäbe, als gäbe es die Orden nicht und die Orden gerieren sich, als gelte Grundgesetz und Rechtstaat für sie nicht. Jeder Täterorden, der jetzt nicht aufsteht und nicht mindestens eine Vereinbarung mit dem Beauftragten der Bundesregierung einfordert, verliert in unseren Augen seine Existenzberechtigung.

Die Orden fühlten sich bezüglich der gesellschaftlichen auch von der Bundeskanzlerin 2010 ausgesprochenen Aufarbeitungsverpflichtung offensichtlich so wenig angesprochen, dass sie zu den Gesprächen des Unabhängigen Beauftragten erst gar nicht erschienen. Soweit wir gehört haben, haben sie sich für ihr Nichterscheinen nicht mal entschuldigt sondern die entsprechende Einladung zu den gemeinsamen Gesprächen offensichtlich einfach in den Papierkorb geworfen. Ein kircheninterner Skandal ohne Beispiel.

Was bitte ist denn der so gerühmte Orden der Jesuiten jetzt noch wert? Was ist von den hehren Worten einiger seiner Vertreter, dass sie verstanden hätten, zu halten? Die Orden haben als Gesamtheit in unseren Augen jeden Respekt verloren. Übrig bleiben bei uns Ordensbetroffenen Enttäuschung, Verachtung und erneuter Zorn ohnegleichen.

Ach ja. Da gibt in diesem Papier schlussendlich auch ein paar konkrete Hinweise auf die inhaltliche Gestaltung des Aufarbeitungsprozesses- die aber in krassem Gegensatz stehen zu dem, was der UBSKM bisher immer gefordert hat: institutionelle Unabhängigkeit der Aufarbeitung, nicht zuletzt um ein Gesamtbild zu bekommen. Gerade das wird jetzt verunmöglicht Jede Diözese kann ihr eigenes Aufklärungsdings basteln. Der ganze Prozess zerfasert und das mit Einwilligung des Beauftragten. Besser als Nichts? Wir haben hier unsere Zweifel. Konkret wird es beim Zeitplan, immerhin! Aber der, der hat es in sich. Weitere 5 Jahre sollen vergehen, bis Ergebnisse vorliegen. Das weckt die bösesten Befürchtungen: Wird hier auf Zeit gespielt? Wird gar bewusst darauf abgezielt, dass noch mehr Zeugen versterben?

Immerhin, man liest in diesem Papier auch von seelsorgerischer und psychotherapeutischer Hilfe. Von Entschädigung ist im Übrigen mit keinem Wort die Rede, obwohl der Begriff sich doch im Zusammenhang mit Aufarbeitung und diesem Papier mehr als aufdrängt. Das Wort gar nicht mehr in den Mund zu nehmen, scheint vermeintlich gegen die immer wieder aufflammenden Forderungen der Opfer zu helfen. Kinderei das Ganze oder böses Spiel.

Wer nicht glauben konnte, dass jemals die Funktion der Kirche als moralische Instanz akut gefährdet sein könnte, wird eines Besseren belehrt, weil die Kirche weiter auf Zeit zu spielen scheint und hartnäckig auf ihrem zweifelhaften Privileg beharrt, dass sie ihre eigenen Verbrechen selber aufklären darf. In diesem Zusammenhang überhaupt noch über einen vom besonderen Kredit der Orden zu sprechen, verbietet sich in Zukunft von selbst. Sie haben sich ins Abseits gestellt. Da scheinen sie sich wohl zu fühlen.

Diese Vereinbarung hat kein Lob verdient. Von einer Vorreiterrolle ist die Kirche weiter entfernt als je.

Siehe auch den Artikel von Claudia Mönius: „Jetzt werden wieder neue Gremien gegründet. Und dann?“ Missbrauchsopfer sieht Vereinbarung zur Aufarbeitung skeptisch. Die jüngst geschlossene Vereinbarung von Kirche und Bundesregierung zur Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs stößt auf Kritik. 

https://www.katholisch.de/artikel/25392-missbrauchsopfer-sieht-vereinbarung-zur-aufarbeitung-skeptisch

WIR GLAUBEN IHNEN NICHT!

Offener Brief anlässlich 10 Jahre „Missbrauchsskandal“ am Aloisiuskolleg in Bonn

Den vollständigen offenen Brief finden Sie hier:
http://eckiger-tisch-bonn.de/etb_offener-brief_wir-glauben-ihnen-nicht-_10-jahre-missbrauchsskandal/

Berlin 27.01.2020. „WIR GLAUBEN IHNEN NICHT!“ Mit diesen Worten wandte sich heute der ECKIGER TISCH BONN, Verein Geschädigter des Aloisiuskollegs zu Bonn-Bad Godesberg e.V. in einem offenen Brief an den Rektor des Aloisiuskolleg (AKO). Hierin brachten die Betroffenen von sexueller, weiterer körperlicher und seelischer Gewalt durch Mitglieder des Jesuitenordens und deren Mitarbeiter ihre Ansichten zum Stand der Aufarbeitung des anlässlich 10 Jahre „Missbrauchsskandal“ zum Ausdruck:

Die Namen der verantwortlichen Jesuiten-Patres am AKO und im Orden, die seit 2010, seit einer Dekade für eine umfassende Aufarbeitung und einen angemessenen Ausgleich mit den Betroffenen hätten leisten müssen, kenne man. „Dass wir heute stehen, wo wir stehen, haben die diejenigen Jesuiten zu verantworten, die seit 2010 die Leitung des Ordens und des Kollegs innehatten. Zeit, Mittel und Möglichkeiten hatten diese (und im Übrigen auch Jesuiten-Pater Mertes) genug. Wir glauben Ihnen nicht (mehr), dass Sie wirklich aufarbeiten und ausgleichen können oder/und wollen. Das ist der Skandal im Jahr 2020!“, so die Betroffenen.

Das Aloisiuskolleg bzw. der Jesuitenorden als Schulträger, erhalte jedes Jahr Millionen öffentliche Steuergelder zur Aufrechterhaltung der Einrichtung (allein Privatschulfinanzierung NRW: 2015-2018 über 20 Mio. EUR) mit nach wie vor fragwürdigen Machtstrukturen und ausschließlich von diesen definierten Aufarbeitungsformen. Da es ohne diese Mittel die Schule nicht gäbe, sind die Betroffenen der Meinung, dass der Orden nicht nur den Opfern, sondern auch der Gesellschaft gegenüber moralisch dazu verpflichtet seien, Rechenschaft über die Gründe des jahrzehntelangen Leitungsversagens Ihrer Institution und Organisation abzulegen und daraus öffentlich nachvollziehbare Konsequenzen zu ziehen. Dies sei bis heute in den Strukturen des Ordens nicht geschehen. Die letzten 10 Jahre hätten gezeigt, dass die Jesuiten und das Aloisiuskolleg entweder nicht Willens oder nicht dazu in der Lage sind, eine umfassende Aufarbeitung zu leisten. In beiden Fällen müsse Ansicht des ETB seitens Dritter/des Staates (nach-)geholfen werden. AKO und Orden aber ließen die Betroffenen, für die der Missbrauch oft mit lebenslangen Folgen verbunden sei, auch nach 10 Jahren bei allen wichtigen Fragen im Regen stehen. „Das zeigt uns, dass die Jesuiten eher Teil des Problems und nicht der Lösung sind. Sie brauchen offensichtlich Druck und Hilfe!“ so im offenen Brief geschrieben, dem eine Liste mit 13 Punkten anhängt, bei denen die Betroffenen Konsequenzen und Verantwortungsübername durch die Jesuiten fordern.

Bis heute stelle der Orden den Schutz der Anonymität der kriminellen Mitbrüder über die Wahrheitsfindung für deren Opfer: Bis heute seien die Klarnamen der zumeist lange verstorbenen Täter aus den Dokumentationen des Ordens nicht veröffentlicht. Dass die letzten drei Ordens-Provinziale 10 Jahre lang zur Rolle des ehemals verantwortlichem AKO-Rektor und dem Zusammenhang zu den Erkenntnissen der eigens bestellten Wissenschaftler als Zeuge und Mitwisser eines Sexualtäters in einer öffentlichen Stellungnahme namens des Orden schweigen (oder ihm sogar das Vertrauen aussprachen), zeige eigentlich schon alles, was man 2020 bezüglich zur Aufarbeitung wissen müsse.

Alle nennenswerten Initiativen zur Aufarbeitung des Missbrauchsskandals seien bislang von Betroffenen und/oder dem Druck der Öffentlichkeit ausgegangen. Der offene Brief sei eine Reaktion auf ein Schreiben der AKO-Leitung vom Dezember 2019, das die Betroffenen als „Feigenblatt“ abtun, das das Scheitern der Jesuiten und des Aloisiuskollegs bei der Aufarbeitung des Missbrauchs pünktlich zur nun zu erwartenden Medienöffentlichkeit nach 10 Jahren verdecken soll.




http://eckiger-tisch-bonn.de/etb_offener-brief_wir-glauben-ihnen-nicht-_10-jahre-missbrauchsskandal/

Betroffene: „Katholische Missbräuche sind das größte Verbrechen in der Bundesrepublik“

Pressemitteilung zur Studie „Sexueller Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz“ (MHG-Studie)

„Das Ausmaß der Missbräuche in der katholischen Kirche muss als das größte Verbrechen in der Nachkriegsgeschichte der Bundesrepublik Deutschland bezeichnet werden. Um nichts Geringeres handelt es sich hier. Dass Ordensschulen und -heime in der Studie nicht vorkommen und deren Betroffenenzahlen nicht hinzuaddiert werden, zeigt ganz aktuell das System der katholischen Kirche, welches in der Vergangenheit Täter intern versetzte und Verantwortliche diese decken ließ. Die Höhe der Opferzahlen und die kriminelle Energie, mit der Verantwortliche Missbräuche vertuscht und deren Geheimhaltung über das Kindeswohl gestellt haben, findet sich in keinen anderen Institutionen, als denen im System der katholischen Kirche“, so der ECKIGE TISCH BONN (ETB), Verein Geschädigter des Aloisiuskollegs (AKO).

„Jetzt weinen dieselben Bischöfe Krokodilstränen, die die Archive zur Aufklärung nicht ganz geöffnet haben. Dass sie nun die Deutungshoheit verloren haben, ist ein Glücksfall. Jetzt muss der Rechtsstaat agieren!“, so der ETB.
Etwas anderes als ein robustes Durchgreifen unseres Staates, Rücktritte der Verantwortlichen und Sanktionen gegen Vertuscher dürfe nicht in Frage kommen. Wie bei anderen Kriminalfällen üblich, müssten die Akten sichergestellt und durch unabhängige Experten ausgewertet werden, so die Forderungen der Betroffenen.

Das Aloisiuskolleg und der Jesuitenorden seien bis in die heutige Zeit Beispiele für Rhetorik, anstelle von wirklicher Aufarbeitung und Konsequenzen für das System, welches Missbrauch begünstigt hat. Man erklärt sich selbst zum Aufklärer und blockiert Fragen, die sich mit dem System des Ordens und den Ursachen für Missbrauch beschäftigen. War nicht mal ein Erinnerungsort am AKO im Gespräch? Stattdessen wird der Ort hunderter Missbräuche für Partys (https://www.eventlocation-stella-rheni.de/) vermietet. Eine „besondere“ Form der Aufarbeitung? Man verkauft einerseits Wohlfühl-Katholizismus an die Kundschaft und ist andererseits bis heute nicht bereit, diejenigen Jesuiten zu sanktionieren, die Kinder wissentlich in den Händen der Täter gelassen haben. Vertuscher sind bis heute in Leitungspositionen, in die sie befördert wurden. Verantwortliche haben stets die Karriereleiter fortgesetzt. Was bedeutet das für die Prävention in diesem System?

Acht Jahre nach dem Bekanntwerden der Missbräuche empfinden wir Betroffenen Solidaritätsbekundungen der Funktionäre des Systems (vgl. „Wir stehen an der Seite der Betroffenen“) als übergriffig. Allein konkrete Taten zur Offenelegung und Sanktionierung Verantwortlicher würden zählen. Da sie fehlen, ist jegliche Glaubhaftigkeit, spätestens seit 2010 verspielt worden.

Betroffene wünschen sich:
1. Lückenlose Dokumentation durch unabhängige externe Kräfte
2. Ehrliche unabhängig supervisierte  Aufarbeitung mit Konsequenzen (aus 1.),
3. Extern erarbeitete und überwachte Prävention und Risikoanalysen (resultierend aus 1. & 2.)
4 Angemessene d.h. wertschätzende Entschädigung in der für Ausgleich in unseren Gesellschaft vorgesehen Währung. (Gebete, Buße, Fasten etc. sind das nicht)

Die Geschädigten des Aloisiuskollegs und der Jesuiten finden sich in dieser Studie nicht wieder, da sowohl die päpstlichen Orden als auch deren weltliche Mitarbeiter nicht untersucht wurden. Der Jesuitenorden hat bislang auch nur einzelne Teile der Geschichte untersuchen lassen. Am AKO gehen wir von mindestens 400 Betroffenen aus, die – wie viele andere Bertoffene aus anderen kirchlichen Einrichtungen auch – bei der Schätzung der bisher eingeräumten 3677 Fälle in der MHG-Studie fehlen.

Kontakt: info@eckiger-tisch-bonn.de
ECKIGER TISCH BONN Verein Geschädigter des Aloisiuskollegs zu Bonn-Bad Godesberg e.V.
c/o Hauptstädtische GmbH | Novalisstr. 8a | D-10115 Berlin | (Tel: Bitte Email schreiben, wir rufen zurück)

AKO-Missbrauchs-Betroffene begrüßen Rörig-Kritik an katholischer Kirche / Jesuiten zur Aufarbeitung nicht fähig

Pressemitteilung zur jüngsten Kritik des Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung,
Johannes-Wilhelm Rörig, an der mangelnden Kindesmissbrauchs-Aufarbeitung der katholischen Kirche.

AKO-Missbrauchs-Betroffene begrüßen Rörig-Kritik an katholischer Kirche / Jesuiten zur Aufarbeitung nicht fähig

BERLIN/BONN 17.08.2018.
Der ECKIGE TISCH BONN (ETB) begrüßt die Einschätzung des Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, bzgl. der mangelnden katholischen Aufarbeitung vollumfänglich und stellt fest, dass die auch für das Aloisiuskolleg in Bonn gilt.

Jesuiten hätten, nach Einschätzung der Betroffenen, bezüglich der viel zitierten Aufarbeitung der Missbrauchfälle, in den letzten Jahren mit Blendgranaten geworfen. Es wurde dokumentiert, aber nicht aufgearbeitet: Zum einen würden der Öffenlichkeit des Aloisiuskollges (AKO) fragwürdige Schutzkonzepte und „Wohlfühl-Katholizismus“ präsentiert, während noch im jetzten Jahr wieder schlimme Dinge vom „heiligen Berg“ bekannt wurden. Zum anderen hätten Mitverantwortliche Jesuiten hierauf der Öffentlichkeit keine Rechenschaft zum eigenen Systemversagen abgegeben, sondern die Karriereleiter woanders fortgestezt. Das sei geübte Tradition an der Schule und im Orden.

Neben der mangelnden Öffnung der Archive kritisiert der ETB, dass auch die vorhandenen Berichte und Untersuchungen geanu dort landeten und eben nicht ausreichend im Orden und Schule Niederschlag finden. Der amtierende AKO-Rektor habe vielmehr dem ETB gegenüber sein Desinteresse bekundet, die Aufarbeitung der Vergangenheit mit den Betroffenen zu betreiben. So wurde z.B. das Internat des AKO mit den neuen Schuljahr geschlossen – ohne umfassende Aufarbeitung des katholischen SYSTEMS der Missbräuche und der Verantwortlichkeiten.

In Deutschland gibt es nach Schätzungen des ETB mehr von Jesuiten-Missbrauch betroffene Menschen, als der Orden (noch) Mitglieder hat. Dort versuche man alles zur vermeiden, was schlussendlich die „Systemfrage“ für die Organisation bedeuten würde. Den Betroffenen stellen sich folgende Fragen: Warum ist die Ordensleitung bislang nicht gegen die (in den Berichten) dokumentierten Mitwisser und Vertuscher (z.T. noch immer auf Leitungspositionen) vorgegangen und hat diese zur Rechenschaft gezogen? Warum wurden ausschließlich Schulen untersucht und öffentlich dokumentiert und nicht proaktiv weitere Institutionen wohin Schul-Täter versetzt wurden (z.B. Pfadfinder „ND“, etc.)?
Warum finden prominente Jesuiten seit 2010 zu jedem Thema Worte, aber nicht zu den konkreten Verfehlungen ihrer Mitbrüder und den systematischen Missbrauchsursachen und Mängeln des eigenen System?

Der ETB stellt daher fest: Auch die Jesuiten sind Teil des Problems und nicht Teil der Lösung. Der Orden ist, sowie die katholische Kirche insges., nicht selbst in der Lage, die richtigen Schlüsse zu ziehen und für nachhaltige Aufarbeitung zu sorgen, um die systemimmanenten Verschwiegenheiten zu brechen. Der Staat darf den Beteuerungen der Kirche nicht glauben und muss hier (nach) helfen. Wir freuen uns, dass der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung nun die richtigen Worte gefunden hat und hoffen, dass die kritische Sicht Bestand für die Aufarbeitung haben wird.

ECKIGER TISCH BONN Verein Geschädigter des Aloisiuskollegs zu Bonn-Bad Godesberg e.V.
c/o Hauptstädtische GmbH | Novalisstr. 8a | D-10115 Berlin | (Tel: Bitte Nachricht schreiben, wir rufen zurück)

z.B. https://www.deutschlandfunk.de/missbrauchsfaelle-roerig-aufarbeitung-durch-katholische.1939.de.html?drn:news_id=915121
https://www.morgenpost.de/politik/article215109401/Roerig-wirft-katholischer-Kirche-schlechte-Aufarbeitung-vor.html

Pressemitteilung 17.08.2018

Schließung des Internates des Aloisiuskollegs: „Ein längst überfälliger Schritt in die richtige Richtung“

Zur Schließung des Internates des Aloisiuskollegs:
„Ein längst überfälliger Schritt in die richtige Richtung“
BERLIN/BONN 15.05.2018. Mit dem Internat des Aloisiuskollegs schließt ein Ort des Missbrauchs, der seit den 1940er Jahren bis in unsere Tage viele hundert beschädigte Biografien erzeugt hat, mit denen die Betroffenen heute leben müssen. „Auf den Gräbern der Missbrauchstäter, die hinter dem Schloss im Aloisiuskolleg beerdigt sind, müsste stehen: Hier ruht das Internat.“, so ein Betroffener spontan. Die Gründe für die Schließung seien hausgemacht und in den schweren Fehlern der leitenden Jesuiten zu finden (und nicht etwa in einem Trend, der ja auch Gründe hat). „Die Schließung ist ein längst überfälliger Schritt in die richtige Richtung“, so der ECKIGER TISCH BONN (ETB), der Verein Geschädigter des Aloisiuskollegs. Bis in die jüngste Zeit hatten Patres oder Mitarbeiter die Möglichkeit, Machtinseln für Missbräuche zu nutzen. Der Jesuitenorden hat die Täter und Mitwisser tolleriert – alles zur höheren Ehre der eigenen Institution. Er ist bis heute nicht Willens oder in der Lage, die vorliegenden Untersuchungsberichte aufzuarbeiten und die richtigen Fragen für das System zu stellen oder sich beispielsweise von dem ehemaligen Rektor Pater Schneider, als Mitwisser und Begründer der Krise des Aloisiuskollegs (AKO), öffentlich zu distanzieren.

Der ETB hat bislang erfolglos solche öffenlich sichtbaren Zeichen des AKO und des Ordens gerade auch in Richtung „konservative“ Ehemalige und Schülereltern und Sponsoren gefordert, die nun die Asche ihres Internates begraben können.

In den letzten Jahren ist der ETB den für uns schweren Schritt gegangen und hatte dem Kolleg über Gespräche hinaus die Zusammenarbeit bei der Aufarbeitung angeboten. Das Kolleg hätte zusammen mit den Betroffenen die Chance gehabt, nach bekanntwerden des Skanals 2010, durch wirkliche Aufarbeitung der Geschichte die öffentliche Wahrnehmung nachhaltig zu gestalten. Dieses wurde in Verantwortung des heutigen Provinzial des Ordens nicht für nötig befunden und ausgeschlagen. Die Jesuiten müssen nun ihre Unfähigkeit und das Scheitern ihrer Konzepte eingestehen. Die Aufarbeitung ihres Systems muss nun zwingend – auch für die Schule – erfolgen und extern überwacht werden.
Das Internat war ein Tatort. Schule und Freizeitaktivtäten bleiben belastet. Es gilt weiterhin, dass Präventionsmaßnahmen, die ohne ein externe Überprüfung jederzeit durch potenzielle Täter, die sich die massiven systemischen Mängel nutzbar machen, unterminiert werden können.

Unser Mitgefühl gilt den heutigen Schülern und Mitarbeitern, die nun auch an den Folgen der Missbräuche und des Missmanagements zu leiden haben. Wir freuen uns, dass viele Menschen positive Erinnerungen an das Internat haben und hoffen auf deren Solidarität, wenn wir anderer Meinung sind.
Das Internat des AKO hat nun den Platz in der Geschichte, den es verdient.


PM_Schließung Internat Alosiuskolleg

Zitat: „Soweit ich das sehe, ist der Ruf eines Jesuitenkollegs überhaupt nicht kaputtzukriegen“

Ludger Stüper SJ, Jesuitenpater, Schuleiter und Missbrauchstäter, 1984

 

 

Schreiben auf Antwort auf Offenen Brief (08.11.2017)

An
Deutsche Provinz der Jesuiten K.d.ö.R.
P. Provinzial Johannes Siebner SJ
Provinzial
Kaulbachstraße 29a
D-80539 München

Marek Spitczok von Brisinski

Externer Beauftragter zu Fragen der
sexualisierten Gewalt beim Jesuitenorden
Postfach 304152

D-10756 Berlin

– jeweils per E-Mail vorab –

Berlin, den 26.01.2018

 

Ihr Schreiben vom 23.11.2017 als Antwort auf unseren Offenen Brief (08.11.2017) mit Fragen zur (gesellschaftlichen) Verantwortung der Jesuiten…

Sehr geehrter Herr Pater Provinzial Siebner SJ,

in Ihrem o.a. Schreiben
– nehmen Sie die Fragen unseres offenen Briefes nicht auf,
– bemühen Sie sich nicht um deren Bearbeitung
– und geben keine Antworten auf unsere Fragen.

Da wir Sie, als derzeitiges Oberhaupt des Jesuitenordens in Deutschland, zur Verantwortung und den Erkenntnissen Ihrer Organisation fragen, stellen wir fest, dass diese nicht willens oder in der Lage ist, uns, nach – jetzt acht(!) Jahren – „Missbrauchsskandal“ und den Berichten und Untersuchungen

  • „Raue“,
  • „Fischer“,
  • „Zinsmeister“,
  • „Bintig“,
  • „Unheilige Macht“,
  • „Unheiliger Berg“,
  • „IPP“,

die alle auch das Versagen der jeweiligen Leitungen Ihrer Institution aufzeigen,
Ihre Schlüsse und Konsequenzen für das System Ihres Ordens mitzuteilen.
Entweder unterdrückt der Orden das Bekanntwerden interner Aufarbeitung oder es gibt keine. Ohne aber eine extern begleitete, wahrnehmbare Auseinandersetzung und ohne Konsequenzen innerhalb des Systems, welches Missbrauchstäter durch Leitungsversagen hervorbrachte (und ggf. bringt?), erhält wirkliche Prävention keinen Zugang in die Klostermauern Ihrer Institution.
Natürlich ist einerseits der Jesuitenorden lediglich in moralischen Weise, dazu verpflichtet, sich überhaupt mit unseren Anliegen inhaltlich oder nachhaltig zu beschäftigen. Andererseits erwarten wir von der Leitung des Ordens mit dieser Missbrauchshistorie, hinter der immer betroffene und oft geschädigte Menschen stehen, heute zumindest Respekt für unsere Anliegen, der sich endlich auch in Konsequenzen und konkreten Maßnahmen (z.B. in der Personalpolitik) ausdrücken muss.

Damit meinen wir keine (weiteren) vordergründigen Aktivitäten zum Thema, die u.E. nur als Feigenblatt und zum einseitigen Benefit für die Jugendarbeit Ihres Ordens (Betrieb der Schulen) angelegt sind oder der persönlichen Profilierung einzelner Jesuiten innerhalb und außerhalb des Ordens dien(t)en. Das zugleich, noch im Jahr 2017 durch u.E. gescheitere Prävention wegen mangelnder Aufarbeitung des Systems, SchülerInnen des Aloisiuskollegs durch mutmaßliche Übergriffe ggf. geschadet wurde, wäre ein trauriger Beleg für das Aussitzen kritisch-analytischer Selbstbeschäftigung der Institution, erneut auf Kosten schwacher Dritter.
Nach acht Jahren und sieben Berichten gibt es dafür keine Entschuldigung. Der Worte sind genug gewechselt…
Wir teilen dem Jesuitenorden mit:
Die Mitgliederversammlung des ECKIGER TISCH BONN Verein Geschädigter des Aloisiuskollegs zu Bonn-Bad Godesberg e.V. hat im Dezember 2017 auf Antrag des Vorstands entschieden, dass unser Verein den Dialog mit Ihnen als gescheitert ansieht und zum Schluss kommt, dass weitere Gespräche mit Ihnen so keinen Sinn haben.

Mit freundlichen Grüßen

Heiko Schnitzler

1.Vorsitzender

Jörg Heinrich
Revisor

ETB_Schreiben_auf Antwort des Provinzials_Dialog_gescheitert

Offener Brief mit Fragen zur (gesellschaftlichen) Verantwortung der Jesuiten

Link zum PDF: Offener Brief mit Fragen zur (gesellschaftlichen) Verantwortung der Jesuiten

An
Deutsche Provinz der Jesuiten K.d.ö.R.
P. Johannes Siebner SJ
Provinzial
Kaulbachstraße 29a
D-80539 München


Berlin, den 08.11.2017

Offener Brief mit Fragen zur (gesellschaftlichen) Verantwortung der Jesuiten
nach Vorlage des Gutachtens zu Fällen sexualisierter Gewalt im Bistum Hildesheim

Sehr geehrter Herr Pater Siebner,
am 16.10.2017 wurde in Hildesheim vom Institut für Praxisforschung und Projektberatung (IPP), München, ein Gutachten[i] zu Fällen sexualisierter Gewalt im Verantwortungsbereich des Bistums Hildesheim vorgelegt. Dieses thematisiert insbeondere auch die Verantwortlichkeit und das historische Fehlverhalten Ihres Ordens, namentlich mehrerer Ihrer Vorgänger im Amt.

Bis heute haben Sie, hat Ihr Orden, der die staatlichen Privilegien einer Körperschaft des öffentlichen Rechts genießt, keinerlei Notwendigkeit gesehen, hierzu öffentlich Stellung zu nehmen und Position zu beziehen. Vor dem Hintergrund der Tatsache, dass Tun und Unterlassen Ihrer Organisation mehreren Menschen langfristig enorm geschadet hat, halten wir dies für skandalös und gesamtgesellschaftlich untragbar.

Wir sehen eine umfassende analytische Stellungnahme Ihrerseits als zwingend geboten, da das Gutachten den Jesuiten nicht nur „katastrophale Fahrlässigkeit“ attestiert. Zitat: “Dies lässt keinen anderen Schluss zu, als dass seit dem ersten Bekanntwerden sexualisierter Übergriffe […] weitere Gefährdungen von Minderjährigen und jungen Erwachsenen wissentlich in Kauf genommen wurden. Dies trifft insbesondere auf die Jesuiten in Berlin (Canisiuskolleg) und die Jesuitenprovinziale Höfer und Werner zu.“ (S. 61)

Wir fragen Sie daher:
1.) Wie bewerten Sie die Ergebnisse des Gutachtens, vor allem die, die sich direkt auf die Arbeit des Jesuitenordens beziehen? Siehe Punkt 3.10.1 (S. 55. ff):

e) Die Kommunikation zwischen Jesuiten und den jeweiligen Verantwortungsträgern des Bistums Hildesheim war zu keiner Zeit geeignet, eine Fortsetzung der sexualisierten Übergriffe […] zu verhindern.“

f) Die Jesuiten (in Form einer grundsätzlichen Personalverantwortung) […] waren dazu verpflichtet, Konsequenzen […] aus den vorgebrachten Vorwürfen zu ziehen.“

j) Hinsichtlich der Jesuiten ist zu fragen, weshalb sie sich nicht genauer erkundigt haben, warum die Entpflichtung […] nicht wirksam geworden ist. Vielmehr begnügten sie sich mit der – in diesem Kontext auch als zynisch zu verstehenden – Feststellung, dass Bischof Homeyer über die Schwierigkeiten […] informiert sei und wisse, welche Probleme auftauchen können. Zwar bestand zu diesem Zeitpunkt keine dienstrechtliche, aber durchaus noch eine moralische Verantwortung der Jesuiten, die Praxis des Bistum Hildesheims kritisch zu hinterfragen.“

q) s.o.

2.) Also: Menschen wurden nachhaltig geschädigt! Wie beurteilen Sie die im Gutachten geschilderten Verantwortlichkeiten und Handlungen (Tun und Unterlassen) Ihrer Amtsvorgänger (Höfer, Werner) und der Oberen des Canisiuskollegs? Welche (öffentlich nachvollziehbaren) Konsequenzen, Maßnahmen, Sanktionen bzgl. der Ex-Provinziale Höfer und Werner kann die Gesellschaft seitens der aktuellen Ordensleitung nun erwarten?

3.) Inwiefern ist, Ihrer Meinung nach, die Art der Organisationsstruktur Ihres Ordens und dessen Führung für das Handeln seiner ehemaligen Oberen (mit-)verantwortlich? Welche Maßnahmen oder Mittel sind Ihres Erachtens geeignet, die im Gutachten beschriebenen Verhaltenweisen von Oberen der Jesuiten aktuell und zukünftig auszuschließen? Welche Aufarbeitung wurde hierzu seit 2010 im Orden intern geleistet? Welche konkreten Änderungen in der Organistation des Ordensleben und dessen Führungstruktur hat es seitdem gegeben?

4.) Das Gutachten zeigt, verglichen mit den Untersuchungen der anderen „Tatorte“, spezifische Gemeinsamkeiten hinsichtlicht der Beschreibung des Täters Peter R. mit anderen Tätern aus dem Jesuitenorden (z.B. P. Stüper SJ am Aloisiuskolleg) auf (u.a. Einzelgänger, außerhalb der Ordensgemeinschaft lebend, vermeintliche Unverzichtbarkeit, uvm.). Wurden die Täterprofile dieser Personen bezogen auf das Ordensleben professionell untersucht? Welche Ergebnisse liegen vor? Welche Risikoanalysen und/oder Präventionsmaßnamen wurden hinsichtlich der heutigen Ordensmitglieder getroffen? Welche Schritte planen Sie nun, bis wann?

5.) Wie bringen Sie die im Gutachten beschriebenen Verhaltens- und Denkweisen in Einklang mit den Lehren des Ordensgründers und den „Ordensregeln“ und Konstitutionen des Jesuitenordens?
Wie kann es sein, dass diese möglicherweise jahrelang durch die Obersten der damals Nord- und Oberdeutschen, jetzt Deutschen Provinz der Jesuiten im Handeln nicht gewürdigt oder sogar missachtet wurden? Was heißt das für die Glaubwürdigkeit und für den Zustand Ihres Ordens?

6.) Prominente Mitglieder des Jesuitenordens, die nicht der deutschen Ordenleitung angehör(t)en, haben sich öffentlich in den letzten Jahren immer wieder zusichernd oder analytisch mit dem Thema „Verantwortung“ befasst, z.B.:

Papst Franziskus: „Ich verspreche, dem Weg der Wahrheit zu folgen, wo immer er hinführt. Kleriker und Bischöfe werden für ihr Tun Rechenschaft ablegen müssen, wenn sie Minderjährige missbrauchen oder nicht schützen.“ [ii]

Hans Zollner SJ: „Entscheidend ist, dass Bischöfe, Provinziale und Generalobere nun auch wegen Vernachlässigung ihrer Amtspflichten und Missachtung ihrer Sorgfaltspflicht kirchenrechtlich zur Verantwortung gezogen werden können. Dahinter steht die Auffassung, dass Obere im juristischen Sinne eine Mitverantwortung für das Handeln ihrer Untergebenen haben.“ [iii]

Klaus Mertes SJ: „Eben weil die Verantwortlichen die richtigen Verfahren nicht angewandt haben. Weil sie informelle Machtzirkel und Seilschaften gebildet haben. Um das zu vermeiden, brauchen wir transparente Verfahren und Öffentlichkeit. Machtmissbrauch muss geahndet werden können, auch mit Strafverfahren.“ [iv]

Wie bewerten Sie die obigen, öffentlichen Äußerungen Ihrer Mitbrüder im Zusammenhang mit den Ergebnissen des o.a. Gutachtes, Ihren Orden und dessen Verantwortung betreffend, sowie den ordensinternen Umgang damit seit 2010?
Was muss aus Ihrer Sicht geschehen, damit z.B. Geschädigte des Aloisiuskollegs die Inhalte von derlei Äußerungen als vertrauenswürdig und belastbar und nicht z.B. als Public Relations oder als Feigenblatt für anhaltende institutionelle Verantwortungslosigkeit sehen können?

Haben Sie schon jetzt Dank für Ihre ausführlichen und vollständigen Antworten in Schriftform, die wir bis zum 08.12.2017 erwarten.

Mit freundlichen Grüßen

Heiko Schnitzler
Vorsitzender

Jörg Heinrich
Revisor

[i] https://www.bistum-hildesheim.de/fileadmin/dateien/PDFs/Pressetexte/IPP_Muenchen_Gutachten_Bistum_Hildesheim.pdf

[ii] http://www.katholisch.de/aktuelles/aktuelle-artikel/alle-verantwortlichen-werden-zur-rechenschaft-gezogen

[iii] https://www.jesuiten.org/slides-startseite/missbrauchspraevention.html

[iv] https://chrismon.evangelisch.de/artikel/2015/31495/missbrauchsfaelle-am-canisius-kolleg-pater-klaus-mertes-hat-die-angst-besiegt

Betroffener meldet Vergewaltigungen durch mehrere Jesuitenpatres am Aloisiuskolleg

Berlin, 23.06.2017. Beim ECKIGEN TISCH BONN, dem Verein der Geschädigten des Aloisiuskollegs e.V. hat sich ein Betroffener (geboren 1970) gemeldet, der angibt während seiner Schulzeit im Aloisiuskolleg 1980-83 als Kind mehrfach Opfer schweren sexuellen Missbrauchs insb. durch zwei Jesuitenpatres (und gefährlicher Körperverletzung durch einen dritten Pater) geworden zu sein.

Bei den namentlich benannten Missbrauchstätern handelt es sich in der Darstellung zum einen um den ehemaligen Internats- und Schulleiter der wohl in Tatgemeinschaft mit einem anderen Jesuitenpater das Kind nackt fotografierte, bis zur Ohnmacht würgte und inklusive Penetration vergewaltigte habe. Der andere Jesuitenpater zum anderen, der Lehrer am Ako war, sei dabei zugegen gewesen und habe das Kind danach ebenso vergewaltigt.

Der Betroffene leidet nach eigener Aussage noch heute körperlich und seelisch an den Folgen dieser Taten und sei bislang ohne jede Hilfe, obwohl der Missbrauch und die Folgen gutachterlich aktenkundig sind.

Der ECKIGE TISCH BONN stellt fest, dass diese Meldung die bislang öffentlich bekannte Kriminalität von Jesuiten am AKO weit in den Schatten stellen würde. Und zwar in folgender Hinsicht:

1.) Die Schwere von Vergewaltigungen übersteigt das bislang öffentlich Geschilderte zum ersten Täter, dem bislang eine Vielzahl anderer Übergriffe vorgeworfen werden.
2.) Mindestens ein weiterer Täter hat nach der Darstellung am AKO Kinder vergewaltigt. Diese Person und ihre Taten wurden bislang nicht untersucht.
3.) Da die Täter nach Aussage des Betroffenen gemeinsam gehandelt haben, kann man u. E. nicht mehr von Einzeltätern am Ako ausgehen, die ihre „Machtinseln“ ausgenutzt haben. Vielmehr scheint es organisierte Absprachen bei den jesuitischen Kindesmissbräuchen am AKO gegeben zu haben. Diese Systeme (und mögliche Kontakte zu anderen Verbrecherkreisen) wurden bislang nicht untersucht.
4.) Das sich immer noch Menschen z.T. hilfesuchend melden, denen das AKO offenbar derart geschadet hat, zeigt u.E., dass erst die Spitze des unheiligen Eisberges öffentlich bekannt ist.

Der ECKIGEN TISCH BONN unterstreicht an dieser Stelle seine Forderung nach einer (wirklich) unabhängigen Untersuchung der Missbrauchssysteme am Aloisiuskolleg und deren Verzahnungen, sowie eine angemessene Hilfe für Betroffene und deren Organisation und ruft weitere Betroffene und mögliche Zeugen auf, sich zu melden.

Nachtrag:
Hinsichtlich  des zweitgenannten Pater,  schreibt Prof. Dr. jur. Julia Zinsmeister 2011  in ihrem „Abschlussbericht zur Untersuchung im Auftrag der Deutschen Provinz der Jesuiten“, gäbe es Berichte über sexuelle Übergriffe gegenüber Mädchen aus seiner Jugendgruppe vor seiner Zeit am AKO. Diese wurden von Zinsmeister  und Team nicht näher untersucht, da sich der Auftrag (der Jesuiten) lediglich auf Übergriffe am Aloisiuskolleg bezog.

Zum erneuten Missbrauchsskandal des Aloisiuskollegs: Kernschmelze der Prävention

ECKIGER TISCH BONN Verein der geschädigten des Aloisiuskollegs e.V. (ETB)
zum aktuellen, erneuten Missbrauchsskandal des Aloisiuskollegs:

Kernschmelze der Prävention:
Missbrauchsbetroffene fordern unabhängige Schulleitung / Gespräche ausgesetzt.

Berlin, 08.05.2017. Unser Mitgefühl und Solidarität gelten vor allem dem Opfer eines Übergriffes.

Das Aloisiuskolleg (AKO) hat eine lange Tradition. Es ist die Schule in Deutschland, auf der seit mind. 1946, jedes Jahr, den aktuellen Mutmaßlichen eingeschlossen, mindestens ein Missbrauchstäter tätig war, der Opferbiografien „produzierte“. Das ist trauriger Rekord in Deutschland. Die Tradition muss beendet werden. Wir fragen uns, wie es spätestens nach Aufdeckung der Skandale 2010 nun erneut zu Übergriffen, wieder zum Super-Gau, einer weiteren pädagogischen Kernschmelze im Umfeld des Aloisiuskollegs“ zum Nachteil von Schutzbefohlenen kommen konnte. Vielen Mitgliedern des ETB mit entsprechenden biografischen Hintergrund schmerzt diese aktuelle Nachricht gleichsam körperlich. Wie lange wollen Elternschaft und Aufsichtsbehörden noch zusehen?

Wir glauben, dass nicht die einzelnen Missbrauchstäter der vergangenen Jahre das eigentliche Problem des Aloisiuskollegs darstellen, sondern die dortige Kultur, die aus einer vermeintlichen Überlegenheit und dem Streben nach dem so Besonderen, dem „Mehr“, Räume für Missbrauchstäter offensichtlich zulässt. Wir stellen, nach den uns vorliegenden Informationen, fest, dass wieder das außerschulische Angebot des AKO und das Internat eine hierbei ungesunde Rolle spielten.

Augenscheinlich haben es der Schulträger, der Jesuitenorden und die Verantwortlichen am AKO, entgegen vollmundiger Bemühungen, wieder nicht vermocht Übergriffe auf Schutzbefohlene von diesen fernzuhalten. Ursachen hierfür sehen wir im Unvermögen/Unwillen, sich einer wirklichen, weltlichen und externen Überprüfung – auch des Ordens – zu unterwerfen und daraus die richtigen Schlüsse für eine sichere Schulumgebung zu ziehen und umzusetzen.

Wir fordern daher, die vakante geschäftsführende Rektorenstelle am AKO mindestens für 3 Jahre mit einer kirchenfremden, unabhängigen Fachfrau/Fachmann mit Kompetenzen im Präventionsbereich zu besetzen, die in der Lage ist, die Missstände zu erkennen und Strukturen zu durchbrechen. Ein konsequenter Bruch mit einer fehlgelaufen „Tradition“ hat auch gegen die Verrohung der Berliner Rütli-Schule geholfen. Hierfür werden wir uns ab sofort bei den staatlichen Stellen einsetzen. Das AKO ist eine sog. Ersatzschule. Wir fragen Ersatz für was?

Katholische Self-Made-Aufarbeitung (u.E. ein Widersprich in sich) ist gescheitert. Im vorliegenden Fall hat, unseres Wissens nach, der mutmaßliche Täter den Präventionsleitfaden des AKO mitverfasst, für dessen schnelle Vorlage noch 2010 man sich dort gefeiert hatte. Auch die angeblichen Präventionsleistungen des vom AKO beauftragten Vereins Innocence in Danger mit seinem adels- also zielgruppendominierten Präsidium, (zudem unter Vizepräsidentschaft der von Betroffenen stark kritisierten ehemalige Missbrauchsbeauftragen der Jesuiten Ursula Raue), gehören ebenso hinterfragt, wie die Beiträge des ordenseigenen Zentrums für Ignatianische Pädagogik (ZIP), welches sog. „Reflektionstage“ zum Missbrauch vor 2010 am AKO durchführte. Ehrliche Auseinandersetzung, wirkliche Prävention oder Augenwischerei gepaart mit jesuitischer Hybris? Das ausgestellte Selbstbewusstsein einer Institution darf (auch indirekt) nicht zum Schaden von Schutzbefohlenen führen und erneut die Aufsicht (das sind Eltern und Behörden) oder die Öffentlichkeit blenden.

Was bedeutet es für die Aufarbeitung der Missbrauchskultur als wichtige Präventionsmaßnahme, wenn der ehemaliger AKO-Rektor, der vor 2010 mit seinen Freund, einem Missbrauchstäter, mit ausgewählten Schülern jahrelang FKK Urlaube machte, zwar versetzt, aber bis heute unbehelligt, einer Jesuiten-Niederlassung vorstehen kann? (Welchen Eindruck macht(e) das auf etwaige Folgetäter?). Was bedeutet es, wenn die Kinderschutzbeauftrage des AKO – trotz mehrfacher Kritik unsererseits, an nur einem von 15 Treffen mit Missbrauchsbetroffenen der letzten Jahre teilgenommen hat? Offensichtlich haben aber auch erneut weder Schul- noch Jugendamt in Bonn die aktuellen Parallelen zum AKO-Pro e.V. und dessen Missbrauchstäter erkannt. Was unternimmt die Bonner Jugend-Politik? Es schmerzt uns, dass u.a. obige Kritikpunkte u.v.m., die der ECKIGE TISCH BONN seit Jahren u.a. in der sog. Dialogrunde dem AKO gegenüber äußert hat, unbeachtet verhallt sind.

Eine Bigotterie besonderen Ausmaßes sehen wir in dem Umstand, dass, nach den uns vorliegenden Informationen, der beschuldigte Lehrer mehrere Tage vor dem Festakt zur Verabschiedung des Rektors am 27. April 2017 suspendiert wurde. Im Beisein des Bonner Oberbürgermeisters, des Kölner Weihbischofs, des Jesuiten Provinzials, des Paters Klaus Mertes (!) und weiterer ranghoher Jesuiten, Eltern, Lehrern, Schülern, Pressevertretern, etc. und Missbrauchsbetroffener wurde keinerlei öffentlicher Bezug auf den aktuellen Fall hergestellt bzw. dieser bekanntgegeben. Hingegen wurde bei dem Anlass, wie auf der Website des AKO (bis heute ohne Stellungnahme zum neusten Skandal) zu lesen ist: „Besonders seine Bemühungen um die Aufarbeitung des Missbrauchs im Aloisiuskolleg und seine Dialogbereitschaft mit den Betroffenen (…) hervorgehoben.“ Hier stehen sich aktuell u. E. Außen-, Innensicht und Handeln unvereinbar gegenüber. Der ECKIGE TISCH BONN e.V. setzt die Gespräche mit den Aloisiuskolleg, bis auf weiteres, mindestens jedoch bis zu einer ausführlichen Darstellung des Sachverhaltes und einer öffentlichen Stellungnahme hierzu aus.

Der Vorstand
08.05.2017